Hagedorn, Werner August, Dr. med.
geb. 02.07.1831 Westhausen/Eichsfeld,
gest. 19.06.1894 Magdeburg,
Arzt, Geheimer Sanitätsrat.

Der Sohn eines Lehrers studierte 1850–54 in Berlin Medizin und schloß hier mit der Promotion sein Studium ab. Er begann ab 1855 als Assistent auf der “Inneren Station” des Krankenhauses Magdeburg-Altstadt, arbeitete jedoch zunehmend auf der “Äußeren Station” unter Karl Fock. 1863 übernahm er die Leitung der neu gegründeten chirurgischen Abteilung. H. las 1871 in der englischen medizinischen Zeitschrift Lancet über die antiseptische Methode von Josef Lister. Bereits 1872 führte er das Verfahren an seiner Klinik ein. Als er Alfred Wilhelm Volkmann in Halle begeistert über seine Erfolge berichtete, schrieb dieser: “Mein lieber H., Sie sind ein kleiner Schwärmer …” Zweifelsohne war H. der erste Chirurg auf dem europäischen Kontinent, der die Antiseptik konsequent anwendete. Neben eigenen Verfahren zur Operation von Kiefer-Gaumen-Spalten und plastischen Phimosenoperationen entwickelte er auch ein plastisches Verfahren für Unterschenkelamputationen. Gerätetechnisch war der Nadelhalter nach H. schon fast atraumatisch, beachtlich auch seine Außenrotationsschiene zur Behandlung des Klumpfußes. Daß aus dem am 29.03.1848 gegründeten Selbsthilfeverein Magdeburger Ärzte die Medizinische Gesellschaft zu Magdeburg wurde, war sein Verdienst.

Werke: Frisch getrocknetes Moos (Sphagnum), ein gutes Verbandmaterial, in: Langenbecks Archiv, Bd. 29, H. 3, 1883.

Literatur: August Hirsch (Hg.), Biographisches Lexikon der hervorragenden Ärzte aller Zeiten und Völker (vor 1880), Bd. 3, 1886, 12; Klaus Arlt, Die Geschichte der Chirurgie in Magdeburg, Diss. Magdeburg 1955; Hanns Kray, Lebensbild und Wirken von Dr. W. H., Diss. Magdeburg 1968; Gundula Vogel, Die Bedeutung von W. H. (1831-1894), Paul Schreiber (1855-1920), Friedrich Kretschmann (1858-1934) und Rudolf Habs (1863-1937) für die Entwicklung der operativen Disziplinen in Magdeburg und ihr Engagement für das städtische Gesundheitswesen, Diss. Magdeburg 1980; Angelika Neumann, Die Einführung der Antiseptik in die europäische Chirurgie unter besonderer Beachtung des Magdeburger Chirurgen W. H. (1831-1894), Diss. Magdeburg 1981; Angelika Neumann/Peter Heinrich, Die Bedeutung des Magdeburger Chirurgen W. H. (1831–1894) für die Einführung der Antiseptik auf dem europäischen Kontinent, in: Zentralblatt für Chirurgie 107, H. 11, 1982, 617–620.

Bildquelle: *Sammlung Peter Heinrich, Magdeburg (privat).

Peter Heinrich

letzte Änderung: 02.02.2005