Heider, Maximilian (Max) David Christian von
geb. 14.10.1839 München,
gest. 29.12.1920 München,
Kaufmann, Chemiker, Kunstkeramiker, Kunstgewerbelehrer.

Der Sohn des Chlorkalkfabrikanten Friedrich v. H. besuchte das Gymnasium und die technische Industrieschule in München, an der er für den höheren technischen Kaufmannsberuf ausgebildet wurde. Er arbeitete zunächst mehrere Jahre in der Zement- und Porzellanindustrie. Sein Interesse an den wissenschaftlichen und künstlerischen Aspekten der von ihm vertriebenen Porzellan- und Keramikprodukte ließ ihn noch in gereiftem Alter eine keramische und fachwissenschaftliche, insbesondere chemische Ausbildung in München, Stuttgart und Köln absolvieren. Auf dem Hintergrund seiner künstlerischen Ambitionen und seines erworbenen chemisch-technischen Wissens erkannte H. wesentliche Defizite in der Entwicklung der damaligen künstlerischen Keramik. Er befaßte sich zunehmend mit Fragen der angewandten Chemie bei der Herstellung keramischer Massen und Glasuren und gründete zur Erprobung innovativer Verfahren Anfang der 1890er Jahre in München und ab 1898 in Schongau am Lech eine keramische Werkstatt, die später bekannte Firma Max von Heider & Söhne, in der auch  Fritz, Hans und Rudolf v. H. ausgebildet wurden. Erste Proben der neuen “Lechtaler Keramik” (schmale Friese, Wandbrunnen und Ziergeräte) stellte H. bereits 1898 auf der Großen Berliner Kunstausstellung vor, die auf weiteren Ausstellungen zahlreiche Preise erhielten. Er schuf eine neue Qualität in der Produktion keramischer Massen und Glasuren, die es seinen Söhnen ab Mitte der 1890er Jahre erlaubte, die künstlerische Keramik auf moderne Grundlagen zu stellen und zu einer neuen Einheit von künstlerischem Entwurf und handwerklicher Produktion zu führen. H. übergab die Leitung des Schongauer Unternehmens etwa 1913 seinem jüngsten Sohn Rudolf v. H., der dafür seine Stellung als Lehrer und Leiter der Keramikwerkstatt an der Kunstgewerbeschule in Elberfeld aufgab. 1907–18 arbeitete H. zur Unterstützung seines Sohnes Fritz v. H. als nebenamtlicher Hilfslehrer im Fach Angewandte Chemie für Keramiker an der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Magdeburg. 1911 richteten beide hier eine Sonntagsschule für Keramiker ein, die der Fortbildung berufstätiger Keramiker diente. H. war einer der ersten Lehrer, der eine moderne Chemieausbildung für Keramiker an einer deutschen Kunstschule einführte. Die Schwerpunkte seiner nach 1918 von seinem Sohn weitergeführten Vorlesungsreihe zeugen von wissenschaftlicher Durchdringung und hoher Praxisrelevanz und umfaßten Lektionen zur technischen Chemie, Atomlehre, Valenztheorie, zum Aufschluß von relevanten Verbindungen sowie praktische Übungen zur Beurteilung und Aufbereitung von keramischen Rohstoffen, zur chemischen Synthese und Analyse usw., wie sie heute in ähnlicher Form an Technischen Fachhochschulen üblich sind.

Literatur: Thieme/Becker 16, 265; August Endell, Keramische Arbeiten der Familie v. H., in: Kunst und Handwerk 47, 1897/98, 129–132; Hermann Schmitz, Moderne deutsche Kunsttöpferei, in: Deutscher Export, Nov. 1907, 3–6; Friedrich Jansa, Deutsche bildende Künstler in Wort und Bild, 1912, 249f. (B); Jahresberichte der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg, 1901ff.; Irmela Franzke, Jugendstil-Bestandskat. Glas, Graphik, Keramik von 1880–1915, Badisches Landesmuseum Karlsruhe, 1987; Norbert Eisold, Die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Magdeburg 1793–1963, Kat. Magdeburg 1993.

Archivalien: Geheimes SA Berlin: HA I, Rep. 120, Abt. X, Fach 2, Nr. 18, Bde 8–15 (Akten der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule Magdeburg).

Gerd Kley

letzte Änderung: 02.02.2005