Molzahn, Johann (Johannes) Ernst Ludwig, Prof.
geb. 21.05.1892 Duisburg,
gest. 31.12.1965 München,
Maler, Graphiker, Gestalter, Kunstschullehrer.

Der Sohn eines Buchbindermeisters zog 1892 mit der Familie nach Weimar, wo er die Schule und eine Lehre als Fotograf absolvierte. Parallel dazu erhielt er 1904–07 Zeichenunterricht an der Großherzoglichen Zeichenschule. Der Bekanntschaft mit den Malern Otto Meyer-Amden und Hermann Huber während seiner Wanderjahre (1908–14) durch die Schweiz folgten während und nach dem I. Weltkrieg Verbindungen zu wichtigen Vertretern und Förderern der internationalen künstlerischen Avantgarde, so z. B. zu Herwarth Walden, Walter Gropius, Theo van Doesburg, El Lissitzky oder den Künstlervereinigungen Novembergruppe und Arbeitsrat für Kunst. Nach ersten Ausstellungen, zunehmender öffentlicher Anerkennung und dem Beginn werbegraphischer Arbeiten wurde M. durch Vermittlung von Bruno Taut 1923 als Lehrer für Gebrauchsgraphik an die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in Magdeburg berufen. 1925 verfaßte M. im Auftrag des Magistrats der Stadt eine Denkschrift über seine Vorstellungen zu Strukturen und Zielen einer modernen Kunstgewerbeschule und entwickelte die Grundlagen für einen modernen gebrauchsgraphischen Unterricht. Von 1928 bis zu seiner Entlassung 1933 war er Leiter der Graphikklasse an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau. Seit 1934 fielen seine Werke der Diffamierung durch den Nationalsozialismus anheim. M. emigrierte 1938 in die USA, wo er an verschiedenen Kunstschulen unterrichtete. 1959 kehrte er nach Deutschland zurück. Trotz zahlreicher Veröffentlichungen existiert bislang keine hinlängliche Würdigung von M.s künstlerischem Gesamtwerk innerhalb der Kunst des 20. Jahrhunderts. Aus von Futurismus und Expressionismus beeinflußten Anfängen entwickelte M. eine bildnerische Sprache, in welcher sich technisch geprägte, in gebrauchsgraphischen Exerzitien gewonnene Formen mit mythischen, mystischen und religiösen Inhalten begegnen. In einem sowohl zum Mikro- als auch Makrokosmos entgrenzten bildnerischen Raum wird ein Bewußtsein der Gegenwart zwischen unauflösbarer historischer Tiefe und immerwährender, also auch zukünftiger, göttlich geprägter Ordnung etabliert.

Werke: Der Idee-Bewegung-Kampf, Öl auf Leinwand 1919 (Wilhelm-Lehmbruck-Museum Duisburg); Astro-Konstellationstafel, Öl auf Leinwand 1923 (ebd.); Janus, Öl auf Leinwand 1930 (ebd.) – Schriften: Das Manifest des absoluten Expressionismus, in: Der Sturm 10, H. 6, 1919, 90–92; Ökonomie der Reklame-Mechane, 1926.

Literatur: Bio Hdb Emigr 2, 1983; Vollmer 3, 1956, 412; Herbert Schade, J. M. Einführung in das Werk und die Kunsttheorie des Malers, 1972; J. M. Das druckgraphische Werk, 1977 (W); J. M. Das malerische Werk, 1988; Christian Gries, J. M. (1892–1965) und der “Kampf um die Kunst” im Deutschland der Weimarer Republik (2 Bde), Diss. 1996 (W).

Bildquelle: *Kunstsammlungen zu Weimar: Selbstporträt, Öl auf Leinwand 1930.

Norbert Eisold